2016

19. Februar 2016 | 00.00 Uhr

Ratingen

Westhäkchen proben den Aufstand
Ratingen: Westhäkchen proben den Aufstand
 

FOTO: Blazy, Achim (abz)

Ratingen. Mit "Programm X" wollen die Westhäkchen, die Kabarettgruppe des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums, an den großen Erfolg des vergangenen Jahres anknüpfen. Ein Probenbesuch. Von Wolfgang Schneider

West Heiner van Schwaben legt den Kopf ein bisschen schief. Das tut der Erdkundelehrer immer, wenn er nachdenkt, wie er leichte Kritik in Worte fassen soll: "Du musst die Stimmung der Nummer noch mehr zum Ausdruck bringen, Du musst die Nummer leben", sagt er in den Raum, wirft noch einmal einen intensiven Blick in den Text und gibt das Handzeichen zum Wiederholen. Und dann geht die Nummer von vorne los.

"Ja, so ist es besser", lobt van Schwamen noch während die Szene läuft. Als Regisseur der Westhäkchen, der Kabarettgruppe des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums (DBG) in West, lässt er den Schülern großen Spielraum, aber manchmal muss er eben doch eingreifen. Und die Jugendlichen zwischen 14 und 17 Jahren wissen genau: Der Mann weiß, wovon er spricht.

Schließlich betreut er die Gruppe seit weit über 20 Jahren. Entspannter ist er dabei dennoch nicht geworden - erst recht nicht, wenn es so kurz vor der Premiere ist wie jetzt. Nur noch wenige Tage, und dann stehen die Westhäkchen mit ihrem neuen Programm auf der Bühne des Freizeithauses. "Bis dahin ist noch viel zu tun", weiß der Chef aus Erfahrung. "Es ist schwer, Termine zu finden, an denen wirklich alle können, denn die Schüler sind heutzutage zeitlich sehr beansprucht." An diesem Vormittag, an sich ist schulfrei, sind aber alle da und proben fleißig im Pädagogischen Zentrum des DBG. Bewegung ist jetzt angesagt, die Gruppe läuft über die Bühne. Das gehört zwar bisweilen auch schon einmal zu van Schwamens Entspannungsübungen, diesmal ist es jedoch Teil des Programms. Das trägt in diesem Jahr den Titel "Programm X".

Viel verraten wird über die Nummern des wie üblich mehr als zweistündigen Programms vorab natürlich nicht, aber es soll, so viel ist schon mal klar, ähnlich anspruchsvoll werden wie im vergangenen Jahr, als die Westhäkchen wohl das beste Programm ihrer Geschichte auf die Bühne brachten. Ob sie das Niveau halten können?

Der Regisseur ist optimistisch: "Es ist nicht so einfach diesmal, denn wir werden ständig von den aktuellen Entwicklungen überholt. Aber ich denke, dass wir auch diesmal wieder auf einem guten Weg sind." Dabei wird der Zuschauer auf den einen oder anderen bekannten Charakter treffen, aber auch Neues kennenlernen. Nicht nur das gesprochene Wort wird traditionell von Bedeutung sein bei den Häkchen. Mit solch talentierten Musikern wie Svenja Kupschus, Alexander Seidl oder Anton Lenger in der Gruppe ist es wohl selbstverständlich, dass es einiges zu hören geben dürfte. Damit alles sitzt, wird bis zur Premiere noch fleißig weiter geprobt.

Stellt sich nur die Frage, wo läuft der Mensch eigentlich hin? Vor sich selbst weg oder doch zu seinem Glück? Und wie ist das eigentlich in diesen unruhigen Zeiten? Sind wir nicht vielleicht alle ein bisschen überfordert mit den vielen Freiheiten, die in der Aufklärung ersonnen und in den Revolutionen erkämpft wurden? Vielleicht gibt es ja in der kommenden Woche Antworten.

Quelle: RP

Westhäkchen beim 8. Jugend-Landtag in NRW

Eine außergewöhnliche Auszeichnung kann hier mit Stolz verkündet werden: Die Westhäkchen durften am Parlamentarischen Abend im Rahmen des 8. Jugend-Landtags NRW am 24.06.2016 Auszüge aus ihrem aktuellen Programm spielen.

Alexander Seidl hat den Abend mit seiner aktuellen Interpretation von Reinhard Meys „Über den Wolken“ begonnen. Fast alle Abgeordneten und die von ihnen gecoachten Jung-Parlamentarier sangen den Refrain lautstark mit. Die Landtagspräsidentin Carina Gödecke, die den Abend eröffnete, gestaltete kurzer Hand ihre Rede neu, um an dieses Lied anzuknüpfen:

Gerade an Tagen mit solch gravierenden politischen Verwerfungen wie dem britischen „Brexit“-Referendum sei es wichtig, innezuhalten und ruhig auf die Dinge zu blicken; am besten aus einer Perspektive „über den Wolken“. Sie freue sich auch darüber, dass ein Lied aus ihrer Jugend eine Verbindung zu jungen Menschen von heute herstelle.

Nach lebhaften Gesprächen über Brexit und die nachmittags in Ausschusssitzungen vorbereiteten Beschlussvorlagen für das Plenum am Samstag traten die Westhäkchen, gestärkt vom reichhaltigen Buffet, noch einmal auf vor großartiger Kulisse mit Blick auf den Rhein und den Düsseldorfer Hafen – bestens unterstützt von unseren „Haustechnikern“ Ben Biermann und Simon Klein.

Svenja Kupschus besang ihr „America“, Hendrik Sidar und Ruben Alpmann spielten die besondere Begegnung von Tunte und Taliban auf einer Herrentoilette im Karneval, Katharina Meschig und Linus Richter präsentierten als Puppenspiel die sprechenden Hände von Angela Merkel. Danach erklärte das ganze Ensemble in einer temporeichen, nahezu Slapstick-artigen Nummer rund um einen 100 Euro-Schein, wie unsere Finanzwelt funktioniert. Den Themenkreis „Über den Wolken“ schloss Svenja, begleitet von Anton am Klavier, mit ihrer Version des Frank Sinatra-Klassikers „Fly me to the Moon“.

Es gab lebhaften Schlussapplaus für die Westhäkchen, die nach dem Auftritt noch in einen regen Meinungsaustausch mit Abgeordneten und Jugendlichen traten.

Der Kontakt zum Jugend-Landtag war über unsere Landtagsabgeordnete, Frau Müller-Witt, entstanden, die bei Dorothea Dietsch als Chef-Organisatorin die Westhäkchen ins Gespräch gebracht hatte. Frau Dietsch war im Mai zu Gast bei den Westhäkchen im Stadttheater und hat sie prompt engagiert!