(Praktische) Philosophie: Aufgaben, Ziele und Inhalte

Aufgaben und Ziele des Faches Praktische Philosophie (Sek I)

 

Der Unterricht im Fach Praktische Philosophie richtet sich gemäß § 37 des Schulgesetzes an Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I, die nicht am Religionsunterricht teilnehmen.

Praktische Philosophie trägt zum Bildungsauftrag der Schule bei, der die persönliche,

soziale und politische Bildung der Schülerinnen und Schüler umfasst. Das Fach fördert die Entwicklung der Gesamtpersönlichkeit zu sozialer Verantwortung, zur Gestaltung einer demokratischen Gesellschaft, zur Orientierung an Grundwerten, zur

kulturellen Mitgestaltung sowie zu verantwortlicher Tätigkeit in der Berufs- und Arbeitswelt.

Zentrales Anliegen des Faches ist es, zur Entwicklung von Kompetenzen bei Schülerinnen und Schülern beizutragen, die sie befähigen, die Wirklichkeit differenziert wahrzunehmen und sich systematisch mit Sinn- und Wertefragen auseinanderzusetzen, sie bei der Suche nach Antworten auf die Frage nach dem Sinn menschlicher Existenz anzuwenden und in einer demokratischen Gesellschaft selbstbestimmt, verantwortungsbewusst und tolerant zu leben. Die Schülerinnen und Schüler entwickeln dazu Empathiefähigkeit und gelangen zu einem Wert- und Selbstbewusstsein, das verantwortliches Handeln begründet. Im Unterricht sollen durch die Auseinandersetzung mit verschiedenen Ideen, Wertvorstellungen und Normen Kriterien für deren Beurteilung erarbeitet und die eigene Reflexions- und Urteilsfähigkeit gefördert werden. Das Verständnis für weltanschauliche, religiöse und ideengeschichtliche Positionen ist Grundlage für interkulturelle und intrakulturelle Toleranz und ermöglicht kognitive, emotionale und soziale Orientierungen.

Das Fach Praktische Philosophie ist auf die zusammenhängende Behandlung von

Sinn- und Wertefragen gerichtet. Während dies im Religionsunterricht auf der Grundlage eines bestimmten Bekenntnisses geschieht, übernimmt Praktische Philosophie diese Aufgabe auf der Grundlage einer argumentativ-diskursiven Reflexion im Sinne einer sittlich-moralischen Orientierung ohne eine exklusive Bindung an eine bestimmte Religion oder Weltanschauung. Bezugspunkt für die Ausrichtung des Faches ist die Werteordnung, wie sie in der Verfassung des Landes Nordrhein-Westfalen, im 10 Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland und in den Menschenrechten verankert ist.

Der Unterricht bietet, ausgehend von den Erfahrungen der Schülerinnen und Schüler, Sachinformationen, Instrumente und Verfahren an, Erfahrungen und Handlungen zu überprüfen, zu beurteilen und möglicherweise zu ändern. Dabei stehen das begründete Argument und das begründete Argumentieren im Mittelpunkt. Es gilt der zwanglose Zwang des besseren Arguments.

 

 

Die Themen der Praktischen Philosophie sind nach Fragenkreisen aufgeschlüsselt:

 

Klassen 5 und 6:

 

Fragenkreis 1: Die Frage nach dem Selbst

• Ich und mein Leben

• Freizeit, freie Zeit

Fragenkreis 2: Die Frage nach dem Anderen

• Der Mensch in der Gemeinschaft

• Umgang mit Konflikten

Fragenkreis 3: Die Frage nach dem guten Handeln

• Wahrhaftigkeit und Lüge

• „Gut“ und „böse“

Fragenkreis 4: Die Frage nach Recht, Staat und Wirtschaft

• Regeln und Gesetze

• Armut und Wohlstand

Fragenkreis 5: Die Frage nach Natur, Kultur und Technik

• Leben von und mit der Natur

• Tiere als Mit-Lebewesen

• Medienwelten

• „Schön“ und „hässlich“

Fragenkreis 7: Die Frage nach Ursprung, Zukunft und Sinn

• Vom Anfang der Welt

• Leben und Feste in unterschiedlichen Religionen

 

Klassen 7 bis 9:

 

Fragenkreis 1: Die Frage nach dem Selbst

• Gefühl und Verstand

• Geschlechtlichkeit und Pubertät

• Freiheit und Unfreiheit

• Leib und Seele

Fragenkreis 2: Die Frage nach dem Anderen

• Freundschaft, Liebe und Partnerschaft

• Begegnung mit Fremden

• Rollen- und Gruppenverhalten

• Interkulturalität

Fragenkreis 3: Die Frage nach dem guten Handeln

• Lust und Pflicht

• Gewalt und Aggression

• Entscheidung und Gewissen

• Freiheit und Verantwortung

Fragenkreis 4: Die Frage nach Recht, Staat und Wirtschaft

• Recht und Gerechtigkeit

• Utopien und ihre politische Funktion

• Arbeits- und Wirtschaftswelt

• Völkergemeinschaft und Frieden

Fragenkreis 5: Die Frage nach Natur, Kultur und Technik

• Der Mensch als kulturelles Wesen

• Technik – Nutzen und Risiko

• Wissenschaft und Verantwortung

• Ökologie versus Ökonomie

Fragenkreis 6: Die Frage nach Wahrheit, Wirklichkeit und Medien

• „Wahr“ und „falsch“

• Virtualität und Schein

• Vorurteil, Urteil, Wissen

• Quellen der Erkenntnis

Fragenkreis 7: Die Frage nach Ursprung, Zukunft und Sinn

• Glück und Sinn des Lebens

• Ethische Grundsätze in Religionen

• Sterben und Tod

• Menschen- und Gottesbilder in Religionen

 

 

Kriterien der Leistungsbewertung im Fach Praktische Philosophie:

 

Mündliche Leistungen werden in einem kontinuierlichen Prozess vor allem durch Beobachtung während des Schuljahres festgestellt. Dabei ist zwischen Lern- und Leistungssituationen im Unterricht zu unterscheiden. Für die Bewertung der Leistungen ist die Unterscheidung in eine Verstehensleistung und eine vor allem sprachlich repräsentierte Darstellungsleistung hilfreich und notwendig.

 

Weitere fachspezifische bzw. für das Fach Praktische Philosophie relevante Aspekte

der Bewertung sind:

• mündliche Beiträge zum Unterricht (z.B. Beiträge zum Unterrichtsgespräch,

Kurzreferate)

• schriftliche Beiträge zum Unterricht (z.B. Protokolle, Materialsammlungen, Hefte)

• kurze schriftliche Übungen mit einer maximalen Dauer von 15 Minuten sowie

• Beiträge im Rahmen eigenverantwortlichen, schüleraktiven Handelns (z.B. Rollenspiel, Befragung, Erkundung, Präsentation).

• Fähigkeit, sich in andere Sicht- bzw. Erlebnisweisen hineinzuversetzen, diese differenziert

und intensiv widerzuspiegeln

• Fähigkeit zur diskursiven Auseinandersetzung in verschiedenen Sozialformen des

Unterrichts; dazu gehört insbesondere, anderen zuzuhören und auf deren Beiträge

respektvoll und sachorientiert einzugehen

• kritische und methodenbewusste Auseinandersetzung mit Problemstellungen mit

dem Ziel selbstständiger Urteilsbildung

• Dichte, Komplexität und Schlüssigkeit von Argumentationen

• die Berücksichtigung der Fachsprache in schriftlichen und mündlichen Beiträgen

• Qualität der Gestaltung von praktischen Arbeiten (zum Beispiel Collagen, Plakaten)

 

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Aufgaben und Ziele des Faches Philosophie in der Sek II

 

Das Fach Philosophie versteht sich in der Oberstufe als grundlegend begleitend für den gesamten Unterricht, d.h., es wird großen Wert gelegt auf eigenständiges Denken, das grundsätzlich, folgerichtig, methodisch fundiert und kommunikativ erprobt werden muss. Daher wechseln sich exakte Textarbeit und Gruppengespräche regelmäßig ab. Literarisch orientierte, analytische Übungen, Filmanalyse sowie essayistisches Schreiben runden die Methodenvielfalt ab. Auch ist der Unterricht in allen Kursen in der Regel oft fachüberschreitend in Richtung Geschichte, Pädagogik, Natur- und Sozialwissenschaften. Der erkenntnisfördernde Grundzug erlaubt es den Schüler/Innen, die Grundlagen der anderen Fächer in den Blick zu nehmen. Daher eignet sich das Fach sehr gut für fächerübergreifende Projekte, die wissenschaftstheoretische Grundfragen in den Einzelfächern zum Gegenstand haben (wie zum Beispiel Kunst, Geschichte, alle Naturwissenschaften). Das Fach ist daher in vielen anderen Fächern präsent und aktiv.

Die Lehrer/Innen fordern die Schüler/Innen zur Teilnahme am Bundes- und Landeswettbewerb „Philosophischer Essay“ auf und unterstützen diejenigen, die sich dafür interessieren und dort engagieren. Der Wettbewerb findet einmal jährlich statt und richtet sich an alle Schüler/Innen der Sekundarstufe II.   

 

 

Die Themen des Faches Philosophie sind im schulinternen Lehrplan festgelegt:

 

Einführungsphase:

  1. Was heißt es zu philosophieren? – Welterklärungen in Mythos, Wissenschaft und Philosophie
  2. Ist der Mensch ein besonderes Lebewesen? ­– Sprachliche, kognitive und reflexive Fähigkeiten von Mensch und Tier im Vergleich
  3. Eine Ethik für alle Kulturen?
  4. Wann darf und muss der Staat die Freiheit des Einzelnen begrenzen? – Die Frage nach dem Recht und der Gerechtigkeit von Strafen 
  5. Kann der Glaube an die Existenz Gottes vernünftig begründet werden? – Religiöse Vorstellungen und ihre Kritik
  6. Was können wir mit Gewissheit erkennen? – Grundlagen und Grenzen menschlicher Erkenntnis

 

 

Qualifikationsphase I:

  1. Ist die Kultur die Natur des Menschen? – Der Mensch als Produkt der natürlichen Evolution und die Bedeutung der Kultur für seine Entwicklung
  2. Ist der Mensch mehr als Materie? – Das Leib-Seele-Problem im Licht der modernen Gehirnforschung
  3. Ist der Mensch ein freies Wesen? - Psychoanalytische und existentialistische Auffassung des Menschen im Vergleich
  4. Wie kann das Leben gelingen? – Eudämonistische Auffassungen  eines guten Lebens
  5. Soll ich mich im Handeln am Kriterium der Nützlichkeit oder der Pflicht orientieren? – Utilitaristische und deontologische Positionen im Vergleich
  6. Gibt es eine Verantwortung des Menschen für die Natur? –Ethische Grundsätze im Anwendungskontext der Ökologie

 

Im Leistungskurs zusätzlich:

  • Lässt sich Bewusstsein funktionalistisch erklären? – Das Menschenbild der Neurowissenschaften und der Forschungen zur Künstlichen Intelligenz in philosophischer Perspektive
  • Basieren moralische Orientierungen auf Gefühlen oder vernünftigen Argumenten? – Emotivistische und diskurstheoretische Ansätze als unterschiedliche Formen ethischer Legitimation

 

 

Qualifikationsphase II:

 

  1. Welche Ordnung der Gemeinschaft ist gerecht? -  Ständestaat und Philosophenkönigtum als Staatsideal
  2. Wie lässt sich eine staatliche Ordnung vom Primat des Individuums aus rechtfertigen? – Kontraktualistische Staatstheorien im Vergleich
  3. Lassen sich die Ansprüche des Einzelnen auf politische Mitwirkung und gerechte Teilhabe in einer staatlichen Ordnung realisieren? – Moderne Konzepte von Demokratie und sozialer Gerechtigkeit auf dem Prüfstand
  4. Was leisten sinnliche Wahrnehmung und Verstandestätigkeit für die wissenschaftliche Erkenntnis? – rationalistische und empiristische Modelle im Vergleich
  5. Wie gelangen die Wissenschaften zu Erkenntnissen? – Anspruch und Verfahrensweisen der neuzeitlichen Naturwissenschaften

 

Im Leistungskurs zusätzlich:

  • Wie lassen sich zwischenstaatliche Konflikte auf Dauer vermeiden? – Bedingungen einer stabilen Friedensordnung in einer globalisierten Welt
  • Was ist das Besondere geisteswissenschaftlicher Erkenntnis? – Anspruch und Verfahren der Geisteswissenschaften

 

 

Kriterien der Leistungsbewertung im Fach Philosophie:

 

In der mündlichen Beteiligung spielen neben Regelmäßigkeit, Deutlichkeit und Richtigkeit eigener Beiträge das angestrebte Abstraktionsniveau, die Offenheit und Neugier bei ungewöhnlicheren Gedankengängen (weg vom Gewohnten) und die Bereitschaft zum argumentativen, kritischen Untersuchen vorgestellter Positionen  eine wichtige Rollen beim Erreichen der Note gut oder sehr gut.

Klausur/sonstige Mitarbeit/Facharbeit/Essay werden gut genannt, wenn die folgenden Kriterien in vollem Umfang erfüllt sind:

  1. angemessenes Erfassen der Problemstellung
  2. differenzierte und klare/deutliche Darstellung
  3. sprachliche Richtigkeit und Stringenz
  4. exakte Verwendung von Fachterminologie
  5. selbständige und genaue Herstellung weiterer Bezüge
  6. freies, folgerichtiges und weiterdenkendes, kritisches Beurteilen

ausreichend ist die Leistung, wenn die Kriterien 1 - 5 nicht nur in Grundzügen sondern auch ohne grobe Fehler bearbeitet wurden und mindestens ein Versuch zu Kriterium 6 vorliegt.