2010 Presse

Zeitzeugen im Unterricht

 
 
22. Januar 2010 | 12.53 Uhr

Ratingen

Ratingen: Zeitzeugen im Unterricht
 

DBG-Schülerinnen im Gespräch mit ehemaligen DDR-Häftlingen. FOTO: RPO

Düsseldorf. "Wir waren 100 000 Mann zu wenig und 40 Jahre zu früh", stellte Dieter Rother, Jahrgang 1932, ehemaliger politischer Häftling der DDR, zu seinen Aktivitäten 1950 im Zeitzeugengespräch fest. Er und Wilfried Elsner waren von der Fachkonferenz Geschichte des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums (DBG) zum Zeitzeugengespräch mit den Schülern des 13. Jahrgangs eingeladen. Was war Dieter Rothers Vergehen? Nach der Niederlage des NS-Regimes hoffte er auf ein demokratisches Deutschland.

Doch in der Ostzone, von den Sowjets besetzt, stellte sich bald heraus, dass nur die SED, 1946 aus der Zwangsvereinigung von SPD und KPD entstanden, das Sagen hatte. Dieter Rother und seine Freunde folgten 1950 der Aufforderung des US-Generals Mc Cloy und beteiligten sich an den so genannten "F-Aktionen: "F" stand für Freiheit in der DDR. Also wurde nachts in Frankfurt/Oder die Parole "Gesamtdeutsche freie Wahlen" gepinselt.

Am 22. April 1950 wird Rother vom KGB abgeholt, verbringt dreieinhalb Monate in einer zwei mal vier Meter großen Zelle mit vier Personen. Sie müssen 16 Stunden am Tag stehend verbringen. Es gibt minimalste Hygiene, selbst Wasser zum Waschen wird verweigert, Kontakte nach außen gibt es nicht. Am 20. Juli 1950 wird er nach sowjetischem Recht verurteilt: Ein Militärtribunal schickt ihn für zehn Jahren in Haft wegen "antisowjetischer Agitation und illegaler Gruppenbildung".

Rother wird im Gefängnis Bautzen, das im DDR-Jargon "gelbes Elend" heißt, weggeschlossen. Anfang 1954 wird er entlassen und flieht in den Westen. Wilfried Elsner verlebt eine unbeschwerte Jugend in Sachsen, durchläuft die vielfältigen Bildungsetappen des SED-Regimes: Schule, Junge Pioniere, FDJ, Jugendweihe. Er leistet seinen Dienst in der Nationalen Volksarmee (NVA), studiert Pädagogik, Sport und Deutsch.

Ihm steht eine Karriere im Bildungssystem der DDR offen. Im Schuldienst in Berlin kann er Vergleiche ziehen mit West-Berlin. Das Konzert des Regimekritikers Wolf Biermann 1976 in Köln gibt den Ausschlag: Sein Schulkollektiv fordert eine Unterschrift unter die Solidaritätserklärung zur Ausbürgerung Biermanns aus der DDR, er weigert sich, Fluchtgedanken reifen, 1981 versucht er, über Ungarn die Grenze zu Jugoslawien zu überschreiten.

Zwei Kilometer vor der Grenze wird er verhaftet und von Budapest nach Berlin geschafft. Sechs Monate Stasi-U-Haft ohne Kontakt nach außen folgen. Er wird wegen Republikflucht mit 20 Monaten Freiheitsentzug bestraft, 1982 wird er von der Bundesrepublik freigekauft. Die Bonhoeffer Schüler zeigten sich bewegt vom Freiheitseinsatz der beiden Zeitzeugen. Die Veranstaltung war mit Dr. Frank Hoffmann, Deutschlandinstitut der Ruhr-Uni Bochum, und dem Landesvorsitzenden der Gemeinschaft ehemaliger politischer Häftlinge e.

V., Detlef von Dechend, organisiert worden.

Quelle: RP
 
 

Ganztags zum Abitur

 
 
26. November 2010 | 00.00 Uhr

Ratingen

Ganztags zum Abitur
Düsseldorf. Welche weiterführende Schule ist die richtige für unser Kind? Vor den Anmeldefristen stellt die RP Schulprogramme und -profile vor. Heute: Dietrich Bonhoeffer-Gymnasium in West. Von Kathrin Schäfer

Ratingen West Das Dietrich Bonhoeffer-Gymnasium (DBG) ist die einzige gebundene Ganztagsschule unter den Ratinger Gymnasien. Was bedeutet eine Entscheidung für das DBG? "Wir reagieren mit unserem Ganztagsschulen-Konzept auf die Bestimmungen von G8", sagt Ganztagskoordinator Karl-Heinrich Gilson.

Die Ganztagsschule, mit Nachmittagsunterricht bis 15.45 Uhr, gibt nun die Möglichkeit, Unterricht, Übung und Förderung gleichermaßen von Profis durchführen zu lassen. Ein markanter Unterschied zu den übrigen Gymnasien. Wo diese nämlich von Eltern und Oberstufenschülern betreute Nachmittagsangebote anbieten, findet am DBG Unterstützung durch Fachlehrer statt. Und das heißt: Das Bildungsziel durch mehr Fachunterricht besser erreichen.

Petra Korfmacher, Erprobungsstufen-Koordinatorin, fasst die besondere Einstellung am DBG in Worte: "Der Gedanke 'Schüler sollen es schaffen, die erfolgreiche Schulausbildung Abitur abzuschließen' ist uns ein persönliches Anliegen. Die Option' bei Problemen die Schule zu wechseln, ist für uns keine. Das ist zwar sehr zeitintensiv, aber dann ist es eben so."

Für ihr intensives Konzept plant Schulleiter Ernst Klein ein modernes, pädagogisches Zentrum, das den Innenhof, das Artrium, überdachen und als Herzstück Raum für die Gestaltung des ganzheitlichen Schultags geben soll. Doch bereits jetzt trägt ein Lernstudio mit Fach- und Jugendliteratur sowie sechs Computern zum Zurückziehen, um in Eigenregie zu arbeiten, zur Erfüllung des Bildungsauftrags bei.     Weitere Besonderheit des DBG sind die Methodentage, eine Blockveranstaltung getreu dem Motto "Lernen lernen".

Gilson und Kollegen kooperieren dabei mit Partnern aus öffentlichem Leben und Wirtschaft. "Persönliche Organisation" lernen Fünftklässler, "Gedächtnis-Training" und "Ernährung". Reinhilt Frese-Radeck, Koordinatorin des Themenblocks "Schule und Gesundheit" schafft mit ihrer Arbeit wichtige Voraussetzungen für Konzentration: "Durch die Ganztagsbetreuung kommt der Schule eine außerordentliche Rolle in puncto Lebensführung zu." Wer nicht ausgewogen isst, fühlt sich auch geistig nicht so fit. Speisen gibt es in der 2011 neu entstehenden Cafeteria mit belegten Broten zu 1,10 Euro. Oder in der mit der Gesamtschule gemeinsam genutzten Mensa im Abo zu drei Euro.

Zum Tag der offenen Tür lädt das Lehrerteam ein: "Wir stellen uns vor, wie wir sind", sagt der Schulleiter. Klein achtet beim Aufnahmegespräch auf ebenso viel Authentizität. So lässt er sich die Zeugnisse der Viertklässler gerne von den Kindern selbst zeigen. "Wenn da die Eltern das Wort übernehmen, ist das nicht so gut. Wer von uns hört 'das klappt', der traut sich was zu."

Quelle: RP
 
 

Ratingen: Westhäkchen schweben über den Wolken

Bonhoeffer-Gymnasiasten feiern am 27. Januar Premiere.

Ratingen. Über den Wolken nennt die Kabarettgruppe des Bonhoeffer-Gymnasiums, "Die Westhäkchen", ihr neues Programm, das sie am 27., 28. und 29. Januar jeweils um 19.30 Uhr im Freizeithaus West präsentieren. Ausgehend von ihrer politischen Schlüsselnummer aus dem Vorjahr mit ihrem jugendlichen Bekenntnis "Wir verstehen das alles nicht!", gehen sie jetzt der Frage auf den Grund, ob dahinter nicht System stecken soll. Soll der junge Mensch, aber auch der Normalbürger gar nicht mehr verstehen? Sind das Zurückhalten von Informationen, aber auch das Erschlagen mit Informationen nicht letztlich nur scheinbar widersprüchliche Strategien, um den Zustand der Unwissenheit zu zementieren?

Politik scheint abgehoben über den Wolken gemacht zu werden, so wie in der Antike, als die Antworten der Götter auf die Fragen des Volkes beim Orakel von Priestern im Trancezustand verschlüsselt und undurchsichtig den Menschen verkündet wurden. Es scheint auch so, dass die großen Prozesse in Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft nicht mehr mit dem Verstand zu erfassen sind. Die "Häkchen" gehen mit der ihnen eigenen Mischung aus Kabarett, Comedy und Show und jugendlicher Unbekümmertheit vor und bieten intelligente Unterhaltung an.

Karten (Schüler drei, erwachsene fünf Euro) gibt es im DBG-Sekretariat, bei Johann und Wittmer, im Kulturamt und Reisebüro Tonnaer.

 

Westdeutsche Zeitung, 15.01.2010