2008 Presse

Super-Abi trotz Bau-Chaos

 
 
20. Juni 2008 | 13.19 Uhr

Ratingen

Super-Abi trotz Bau-Chaos
Düsseldorf. 58 Abiturienten des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums wurden die Zeugnisse überreicht. 17 von ihnen haben eine Eins vor dem Komma der Gesamtnote stehen, obwohl die Lernbedingungen an der Schule katastrophal sind. Von Julia Hagenacker

West Sie sind gut, außergewöhnlich gut sogar. 58 Abiturienten des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums wurden gestern während einer Feierstunde im Stadttheater die Abschlusszeugnisse überreicht. Die Besonderheit: 17 von ihnen haben eine Eins vor dem Komma der Gesamtnote stehen. Und das, obwohl sie in der Schule in Ratingen West unter, sagen wir mal, „erschwerten Bedingungen“ fürs Leben gelernt haben.

Hendrik Wendland zum Beispiel dürfte eine der besten Abiturprüfungen in ganz Nordrhein-Westfalen abgelegt haben. Schnitt: 1,0, glatt, und das, obwohl ihm Baustellenlärm und das viel diskutierte „Oktaeder des Grauens“ fast einen Strich durch die Tiptop-Klausur-Rechnung gemacht hätten. Statt wie üblich mit einer „Eins plus“ wurden die Matheaufgaben des 19-Jährigen im diesjährigen Zentralabitur mit einer „Zwei plus“ bewertet. Deshalb hat er noch einmal nachgeschrieben, in der vergangenen Woche, in einem sanierungsbedürftigen Klassenraum, in dem sich die Fenster nicht schließen lassen. Eine Plastikfolie hält dort seit geraumer Zeit zwar notdürftig Regen und Wind, nicht aber den herüberschwappenden Krach von Betonmischern und Schweißgeräten ab.

Auf dem benachbarten Grundstück der Astrid-Lindgren-Grundschule wird nämlich gebaut. 6,5 Millionen Euro hat die Stadt in die Errichtung eines für den offenen Ganztag geeigneten Gebäudes samt Außenanlage und Einrichtung investiert.

Die Räume und die Fassade des Bonhoeffer-Gymnasiums sollen ebenfalls renoviert werden, für insgesamt 500 000 Euro, allerdings erst im Sommer 2009, so sieht es der Finanzplan vor (wir berichteten). Dabei ist ein großer Teil der Schuleinrichtung seit Jahren so marode, dass die Nutzung für Schüler und Lehrer zum täglichen Sicherheitsrisiko wird: gesplitterte Türen, morsche, mit Klebeband fixierte Fenster, die sich entweder nicht öffnen oder nicht schließen lassen, defekte Jalousien, blinde Scheiben. Vor kurzem fiel außerhalb der Unterrichtszeit ein kompletter Fensterrahmen heraus. Glücklicherweise wurde niemand verletzt.

Kira Müchler (19) hat sich nach neun Jahren am Bonhoeffer-Gymnasium an den heruntergekommenen Zustand ihrer Schule gewöhnt. „Mit der Zeit weiß man, bei welchen Fenstern man aufpassen muss, wenn man sie auf Kipp stellt“, sagt sie. „Im Sommer, wenn die Sonne auf die Front mit den kaputten Jalousien schien, haben wir manchmal schon ganz schön geschwitzt.“ Wirklich gut lernen lasse es sich unter solchen Bedingungen nicht. „Das ist nicht in Ordnung“, meint die 19-Jährige. „Ich könnte mir vorstellen, dass es Eltern gibt, die sich bei der Wahl der weiterführenden Schule nicht nur von Lehrinhalten, sondern auch vom Erscheinungsbild leiten lassen.“

Ein klasse Abi (Note 1,1) hat Kira Müchler trotz allem geschafft. Ein Jahr lang will sie nun als Au-Pair in Paris arbeiten, dann Französisch und Geschichte auf Lehramt studieren. Berufswunsch: Gymnasiallehrerin.

RP 20.06.2008
 
 

Tanzen für die Integration

 
 
7. November 2008 | 16.07 Uhr

Ratingen

Ratingen: Tanzen für die Integration
 

Maria und ihr Tanzpartner beim Sportlerball in der Stadthalle. FOTO: RPO

Düsseldorf. Die 17-jährige Maria Dortmann ist sehr erfolgreich im Bereich Lateinamerikanische Tänze. Neben ihrem intensiven Training besucht sie die 10. Klasse des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums. Erst seit dem Jahr 2002 lebt sie in Deutschland. Von Jasmin Maxwell

West Tanzen ist mehr als nur ein Hobby für Maria Dortmann. „Wenn ich tanze, bringe ich auch immer etwas aus meiner Seele mit ein“, sagt die 17-jährige Schülerin aus Ratingen West. „Ich verschmelze mit der Musik.“ Maria tanzt zusammen mit ihrem Tanzpartner Evgeny Shalabanov (19) Standard- und Lateinamerikanische Tänze – und das mit großem Erfolg: Sie tanzen im deutschen Nachwuchskader, 2007 wurden sie Landesmeister in der Klasse Jugend B Latein und stiegen in die Klasse A auf – gewissermaßen die 2. Liga des Tanzsports. Am 18. Oktober begeisterten Maria und Evgeny die Gäste bei der Ratinger Sportlernacht.

Nicht viel Freizeit

Für solche Erfolge muss man natürlich hart trainieren: Fünf Mal in der Woche, vor Turnieren sogar täglich, üben die Jugendlichen im „Bosten Club“ in Düsseldorf bis zu drei Stunden lang. Klar, dass da nicht mehr viel Zeit für anderes bleibt. „Freunde treffe ich vor allem am Wochenende, und für Hobbys wie Malen habe ich nur in den Ferien Zeit.“ Doch das macht Maria nichts: „Wenn ich eine Woche mal nicht tanze, fehlt mir etwas“, sagt sie. Trotz allem: Die Schule hat für die 17-jährige Vorrang vor dem Tanzen. Maria, die 2002 mit ihrer Familie als Spätaussiedlerin aus Kasachstan nach Deutschland kam, besucht die 10. Klasse des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums (DBG) in West und will Abitur machen. Als sie vor mittlerweile sechs Jahren nach Ratingen zog, habe sie noch kein Wort Deutsch gesprochen, berichtet Maria. „Bei der Integration hat mir vor allem das Tanzen geholfen.“ Denn seit sie in Ratingen wohnt, tanzt sie im „Boston Club“, wo sie Freunde fand und schnell Deutsch lernte. „Und nachdem ich bei einem Schulfest etwas vorgetanzt habe, waren auch Lehrer und Mitschüler viel freundlicher zu mir.“ Trotz der Dreifachbelastung von intensivem Training, Deutschlernen und Schule verbesserten sich Marias schulische Leistungen bald so stark, dass sie mit Hilfe von Alla Weber vom Integrationsbüro in West auf das DBG wechseln konnte. „Ich kann mich durch das viele Tanztraining sehr gut organisieren“, betont Maria. Das geht natürlich nur, weil ihre Eltern sie unterstützen. Seit sie fünf Jahre alt ist, ermöglichen sie Maria Tanzstunden, erst russischer Volkstanz, dann Standard- und Lateinamerikanische Tänze. „Meine Mutter näht außerdem viele meiner Kostüme“, sagt Maria. Ein Kostüm, wie man es für Turniere braucht, kostet nämlich im Laden schon mal 1500 Euro.

Ihre berufliche Zukunft sieht Maria im Tanzsport allerdings nicht. Sie überlege, Psychologie zu studieren, sich vielleicht mit Tanztherapie zu beschäftigen, erzählt sie. „Aber Tanzen werde ich trotzdem mein ganzes Leben lang.“

Quelle: RP