Wir feiern Jubiläum! (Fortsetzung)

In den zurückliegenden vierzig Schuljahren hat sich der Unterrichtsalltag am DBG auf vielen Ebenen weiterentwickelt, von denen ich hier nur einige herausheben möchte (ohne Vollständigkeit zu beanspruchen):

Unter der Leitung von Herrn Oberstudiendirektor Dieter Koch (1978-1994) etablierte sich die reformierte Oberstufe, seit Schuljahr 1989/90 in effektiver Kooperation mit dem Lintorfer Kopernikus-Gymnasium. Als regelmäßige außerunterrichtliche Aktivitäten, die das Schulprofil seit ihrer Begründung nachhaltig prägen, seien nur der Austausch mit dem französischen Lycée St.Michel in Chateau-Gontier (erstmals 1982) und die Auftritte der Kabarett-AG „ Die Westhäkchen“ (Debüt am  04. Januar 1992) genannt; die „Westhäkchen“ wurden übrigens zum 07.11.2018 ins hessische Melsungen eingeladen, um den renommierten Kabarettpreis „scharfe Barte“ zu erlangen!

Herr Oberstudiendirektor Ernst Klein (1994-2011) wachte über das DBG in einer Phase der Umstellung zum gebundenen Ganztag. Nach intensiven Gesprächen auf allen Ebenen schulischer Mitwirkung gelang ihm der Schulterschluss zwischen Bezirksregierung und städtischer Trägerin: Das DBG ist seit Schuljahr 2009/10 Ganztagsschule. Daran geknüpft war nicht nur die bauliche Erweiterung des Gebäudes (angefangen bei den Fenstern über die naturwissenschaftlichen Fachräume und einen großen Veranstaltungssaal bis zur Cafeteria), sondern auch die curriculare sowie organisatorische Umgestaltung des Schulbetriebs. Das gesamte Modell musste außerdem an die Struktur der ab Schuljahr 2005/06 gültigen achtjährigen Gymnasiallaufbahn angepasst werden – eine Herkulesaufgabe, die alle Verantwortlichen in bewährter Zusammenarbeit bewältigt haben.

Seit Amtsübernahme im August 2011 obliegt es meiner Verantwortung, einerseits Bewährtes zu erhalten und -falls erforderlich- zu erneuern, andererseits die Schule vor dem Hintergrund mitunter rasanter gesellschaftlicher und politischer Veränderungen so zu positionieren, dass die Bedürfnisse unserer Schülerschaft im Zentrum der pädagogischen Arbeit bleiben. Denn nur auf diesem Wege lässt sich ein gutes Leistungsniveau stabil halten, das dem jährlichen Durchschnittswert aller Landesgymnasien entspricht und in einigen Fächern, z.B. Deutsch und Mathematik, sogar übersteigt!

Zum Spektrum des gegenwärtigen Unterrichtsalltags gehört seit drei Jahren auch die Integration von Kindern, die mit ihren Familien aus Kriegsgebieten nach Ratingen gekommen sind. Der intensiven Arbeit eines Teams aus regulären Lehrkräften, Assistenzlehrern und ehrenamtlichen Paten ist es zu verdanken, dass sich die älteren dieser Kinder mittlerweile am Berufskolleg auf einen Schulabschluss vorbereiten oder im Falle von zwölf weiteren erfolgreich in hauseigenen Regelklassen mitarbeiten!

Der Tatsache, dass die Schülerinnen und Schüler an langen Tagen bis 15:45 Uhr möglichst konzentriert dem Unterricht folgen müssen, entwuchsen die Erfordernis einer angemessenen Übermittagsbetreuung, die entspannende sowie bewegungsreiche Angebote vorhält,  und schließlich der Anspruch einer nachhaltigen Orientierung an gesunder Schulalltagsgestaltung. Elternpflegschaft, Kollegium und Schülerselbstverwaltung verstehen das DBG als „gesunde Schule“ und setzen mithilfe großzügiger Unterstützung des Fördervereins  wichtige Impulse für den Schulbetrieb.

Während das Schulgebäude in meiner Amtszeit bereits große Erweiterungen (Cafeteria, Pädagogisches Zentrum) erfahren hat, steht die Stadt Ratingen bzgl. Lehrerzimmers und Fachräumen weiter in der Pflicht. Mittlerweile denkt die Stadt angesichts wachsender Schülerzahlen am Schulzentrum Ratingen-West über einen gewaltigen Neubau nach, der die sanierungsbedürftigen Turnhallen, neue Fach- und Klassenräume sowie die seit 2010 (!) geplante Erweiterung des Lehrerzimmers umfasst. Der Beginn der Abriss- und Neubauphase wird gravierende Veränderungen für den Schulalltag bedeuten, die uns alle  -Lehrende wie Lernende -  vor absehbare Herausforderungen stellen dürften!

Mit Rückkehr des DBG zur neunjährigen Schulzeit am Gymnasium wird es verbindliche Stundentafeln und Lehrpläne geben, die spätestens 2019 vorliegen und sukzessive umgesetzt werden. Diese Umstellung wird einhergehen mit einer gleichzeitigen Differenzierung bzw. Neugestaltung unseres Ganztagskonzepts  – natürlich unter bewährter Beteiligung aller Schulgremien, denen genügend Zeit für eine ausführliche Diskussion gegeben ist.

Auf der Agenda stehen außerdem die Digitalisierung des Unterrichts und die Verpflichtung zur beruflichen Orientierung unserer Schülerinnen und Schüler. Beides ist abhängig von Voraussetzungen, die seitens der Landesregierung und der Kommune geschaffen und zur Verfügung gestellt werden müssen. Ohne die Ausstattung  mit genügend Ressourcen auf finanzieller und personeller Ebene wird jedes aufrechte Bemühen in diesen Bereichen zum wirkungslosen Aktionismus verblassen, der sich negativ auf die Kontinuität des Regelunterrichts auswirkt und garantiert seinen Niederschlag in der für dieses Schuljahr wöchentlich durchzuführenden „Erhebung des erteilten und des ausgefallenen Unterrichts“  findet .

Keine noch so aussagekräftige Statistik jedoch vermag die Hauptquelle schulischer Leistungsfähigkeit   zu erfassen: Die Motivation, die Lernende und Lehrende mehrmals täglich aufzubringen haben. Ich möchte deshalb die DBG-Schulgemeinschaft vor allem dazu ermuntern, unser Schulprofil weiter zu schärfen: durch die stete Bereitschaft  - zur Leistung im Unterricht,  - zur konstruktiven Mitarbeit in den Gremien, - zum tatkräftigen Engagement in Projekten.  Hierunter zählen auch unsere Beiträge zur internationalen Verständigung auf sozusagen höherer Ebene: Die Unterstützung des „Freundeskreises Nepal e.V.“ , der mit den per Charity-Walk erlaufenen Geldspenden den Wiederaufbau der „Motherland School“ in Naikap finanzieren kann, und der vor drei Jahren gestartete, mittlerweile äußerst intensive Austausch mit der Highschool in Vermillion, South-Dakota (der Partnerstadt Ratingens).

Nach vierzig erfolgreichen Schuljahren können wir durchaus stolz auf errungene Lorbeeren blicken, nicht aber die Hände in den Schoß legen – wir wollen in gemeinsamem Bestreben schlicht unseren Auftrag erfüllen: Erziehung auf der Basis christlich-demokratischer Werte und Bildung zu eigenverantwortlichem Handeln, das selbstverständlich auch eine kritische Mündigkeit einschließt.  Unserem Namensgeber Dietrich Bonhoeffer würde das gefallen.

 

Uwe Florin, Schulleiter